Landesbehindertenbeauftragter Rösch: Es gibt noch viel zu tun

Seit Anfang des Jahres ist Matthias Rösch als Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen in Rheinland-Pfalz tätig. Hand in Hand mit der Landesregierung und in zahlreichen Gremien engagiert er sich für Menschen mit Behinderungen und deren Chancengleichheit.

 

Das passt schon sehr zu meiner bisherigen Tätigkeit. Ich habe mich auch bislang politisch für Menschen mit Behinderungen eingesetzt“, sagt der 47-Jährige. Dabei schlug er mitunter eigenwillige Wege im Interesse von Barrierefreiheit und Gleichstellung ein. Obwohl er seit 2004 im Mainzer Stadtrat baupolitscher und behindertenpolitscher Sprecher der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen ist, erklärte sich Rösch erst 2012 zu einer Parteimitgliedschaft bereit, nachdem diese ihre Geschäftsstelle in Mainz barrierefrei gestaltet hatte.

Mit seiner Tätigkeit als Landesbehindertenbeauftragter geht auch der Vorsitz im Landesbeirat zur Teilhabe behinderter Menschen einher. Das Gremium zählt 55 Personen, die unter anderem aus Landesbehindertenverbänden, Selbsthilfegruppen, öffentlichen Einrichtungen, Organisationen und Werkstätten kommen. Für die Unfallkasse arbeitet Klaudia Engels, Leiterin der Abteilung Rehabilitation und Entschädigung, im Landesbeirat mit. Ein großes Thema ist auch dort die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die für Rösch von zentraler Bedeutung ist. Dazu zählen vor allem die schulische Inklusion und der gemeinsame Unterricht von behinderten und nicht behinderten Menschen. Dies wiederum werfe wichtige Fragen auf, die es zu klären gelte: „Wie stellen sich künftig Förderschulen auf? Wie wird das Elternwahlrecht umgesetzt? Wie kann man den Sportunterricht gestalten?“

Als beispielhaft bewertet Matthias Rösch das Projekt des Turnvereins (TV) Laubenheim „Die Schule rollt“. Der TV Laubenheim nutzt den Rollstuhl als sportliches Fortbewegungsmittel. Auf diesem Weg können auch Nichtbehinderte im Sportunterricht erleben, wie es sich anfühlt, im Rollstuhl zu fahren. Das Projekt begeisterte bundesweit und wurde beim Bundesfinale des Wettbewerbs „Sterne des Sports“ von Bundespräsident Joachim Gauck ausgezeichnet.

„Gute Beispiele wie dieses Projekt müssen übertragen werden. Sie dürfen nicht nur Leuchttürme bleiben“, erklärt der Landesbehindertenbeauftragte. Als überaus positiv bewertet er die Entwicklung des „persönlichen Budgets“, das bereits 6.000 Menschen mit Behinderung in Anspruch nehmen. Dies ermöglicht ihnen mehr Handlungsspielraum und Selbstbestimmung. Handlungsbedarf bestehe in den Bereichen Barrierefreiheit in Wohnsituationen sowie Mobilität im ländlichen Bereich. „Hier sind kommunale Behindertenbeauftragte und Partner vor Ort unerlässlich. Das lässt sich nicht alles vom Ministerium aus erledigen.“

Auch der Arbeitsmarkt erfordere mehr Chancengleichheit. „Denn Menschen mit Behinderungen sind immer noch stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als nicht behinderte Menschen“, sagt Matthias Rösch. „Inklusion ist zwar bereits in vielen Köpfen angekommen. Aber es gibt noch viel zu tun!“ 

Zur Person Matthias Rösch: 

Matthias Rösch ist durch die Folgen eines Verkehrsunfalls seit seiner Jugend auf den Rollstuhl angewiesen. Bereits während seiner Studienzeit und auch anschließend war der 47-jährige Diplom-Psychologe vielseitig für die Belange von Menschen mit Behinderungen aktiv.

Der gebürtige Bad Kreuznacher ist seit 1996 Vorsitzender des Behindertenbeirats Mainz und Mitbegründer des Zentrums für selbstbestimmtes Leben in Mainz. Dort war er von 1996 bis 2002 in Beratung, Projekten und Geschäftsführung tätig. Anschließend übernahm er die Leitung des Referates Gleichstellung und Selbstbestimmung/Barrierefreiheit im rheinland-pfälzischen Sozialministerium.

Seit Anfang 2013 ist Matthias Rösch Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen. 

Kontakt

Unfallkasse Rheinland-Pfalz
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